Im Rahmen des Unterrichts ist der Geschichts-LK (Abiturjahrgang 2019) tief ins Stadtarchiv abgetaucht, um sich mit der Geschichte der Musterschule in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen. Zu Tage getreten sind dabei einige archivarische Schätze, wie z.B. diese beiden Fehdeerklärungen. Hier sagt eine Gruppe Schüler (die Musterschule war zu diesem Zeitpunkt eine reine Jungenschule) einer anderen Gruppe offiziell den Kampf an und teilt außerdem Ort und Zeitpunkt der offensichtlich körperlichen Auseinandersetzung mit:
Geschichte der Musterschule
Die Musterschule in Zeiten der politischen Radikalisierung (1920/30)
Die Radikalsierung von Jugendlichen, um die man sich Anfang der 1930er sorgte und der man mit den verschiedenen Erlassen entgegen treten wollte, vollzieht sich dann unter der NS-Herrschaft ab Mitte der 1930er schnell.
Der Erlass kehrte sich ins Gegenteil um. Zur Meldung stehen nun politisch linke Aktivitäten und die Mitgliedschaft in der HJ wird zunächst erwünscht und schließlich verpflichtend. Schüler, die aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen nicht Mitglied werden können oder wollen werden zunehmden ausgegrenzt. Davon bleibt schließlich auch die Musterschule nicht verschont.
Die Musterschule und ihre Schüler im Spiegel des politischen Umbruchs 1930-33
Weimarer Republik
10.6.1930
Nachdem an hessischen Schulen zunehmend politische Radikalisierung von Lernenden beobachtet wird, weist ein Schreiben vom Provinzialschulkollegium an die Direktoren der höheren Schulen, dass Schülerinnen und Schülern per Beschluss verboten werden soll in republikfeindliche, insb. rechte Organisationen einzutreten.
9.9.1930
Erst auf eine erneute Aufforderung hin, meldet der Direktor der Musterschule, solche „Maßnahmen seien [an der Musterschule] nicht erforderlich, es [gäbe] keine Anlässe.”
30.12.1930
Die Vertreibung der jüdischen Schülerinnen und Schüler in den 1930er Jahren
Dass die politische Lage im Dritten Reich das Schulleben stark beeinflusste, ist in mehreren Quellen dokumentiert; sowohl in den offiziellen Schülerstatistiken und Chroniken der Schule, als auch in persönlichen Berichten. Zwei solcher Berichte sind zum Einen die Autobiografie von Stephen F., einem jüdischen Schüler, welcher 1933 die Eingangsklasse der Musterschule eingeschult wurde (entspräche heute der 5.Klasse), und zum Anderen eine Rede eines ehemaligen Schülers, der 2003 das Denkmal für die vertriebenen jüdischen Musterschüler einweihte (zu finden im Gang links!). Natürlich sind die Rede und die Autobiografie zunächst subjektive Erinnerungen und Äußerungen, aber beide Autoren wollten der Nachwelt die Lage an der Musterschule in der NS-Zeit erläutern und stimmen in vielen Aspekten überein, so dass wir die Quellen als glaubhaft betrachten können.
