Ein Enfant terrible an alter Wirkungsstätte

Zeitzeugengespräch mit Laszlo Trankovits am 21.11.19

Am 21.11. konnte der Leistungskurs Q3 Geschichte den renommierten Journalisten und Schriftsteller Laszlo Trankovits in der Musterschule begrüßen.
Allegra Nemati und Max Buchs hatten auf meine Anregung hin Herrn Trankovits um ein Zeitzeugengespräch zum Thema „die 1968er“ gebeten, der dazu umgehend bereit war.

Trankovits war ausgerechnet 1968 aufgrund politischer Umtriebe als stellvertretender Schulsprecher der Musterschule verwiesen worden.

Die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses hatten sich zuvor intensiv mit dem Thema 68er-Bewegung auseinandergesetzt und zusätzlich Fragen an den Zeitzeugen vorbereitet.

Laszlo Trankovits gab ausführlich Auskunft zu dem damaligen Protesten und seinem eigenen Mitwirken, erläuterte die politisch-gesellschaftlichen Hintergründe genauso wie das repressive Klima an der damaligen Musterschule und ging nicht zuletzt mit sich selbst und seinen Mitstreitern durchaus kritisch ins Gericht.

So fand er einige Schwerpunkte der damaligen Protestbewegung wie die Forderung nach Emanzipation der Frau, nach sexueller Befreiung und das Infragestellen von Autoritäten nach wie vor richtig, distanzierte sich aber sowohl von der fundamentalen Kritik an der BRD, als auch von der Unterstützung sozialistischer Regime.

Auf Nachfrage, ob die DDR nicht hätte aufzeigen müssen, wie es um den „real existierenden Sozialismus“ bestellt gewesen sei, gab Trankovits freimütig zu, dass dieser Umstand verdrängt wurde.

In einer abschließenden Bewertung zeigte Herr Trankovits auf, dass es neben echten politischen Überzeugungen 1968 sicher auch um den „Abenteuerspielplatz“ Massenbewegung und Demo ging, wo man mit Freunden etwas wagte.

Eigentlich habe man aber nicht wirklich etwas riskiert, selbst er habe nach seinem Rauswurf noch entsprechende Möglichkeiten gehabt, weshalb er die deutschen 68er auch durchaus als „Wohlstandsrebellion“ bezeichnen würde.

Der Generation „Fridays for Future“ möchte er auf den Weg geben, dass ihr politisches Interesse und Engagement großartig sei, dass sie aber für nachhaltige politische Veränderung in Parteien oder andere politische Organisationen eintreten sollten, weil nur dort eine echte nachhaltige Veränderung möglich sei. Im Namen des Kurses und der Schule möchte ich mich hiermit bei Laszlo Trankovits für sein Engagement bedanken und hoffe, ihn bald wieder an der Schule begrüßen zu dürfen.

Sebastian Kaiser

 

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