Antigone 2hoch5

Eine Theateraufführung unter freiem Himmel – der Schulhof der Musterschule wird zur Orchestra des antiken Theaters.

„Strahl der Sonne, schönstes Licht, das der siebentorigen Thebe aufgegangen“ – so erklangen die ersten Worte des antiken Chores, die zugleich den Wettergott beschworen. Dank der sommerlichen Temperaturen konnten die Schülerinnen und Schüler des Q2-Grundkurses „Darstellendes Spiel“ ihre Inszenierung von Sophokles‘ vermutlich bekanntester Tragödie Antigone am Abend des 9.6.22 wie geplant auf dem Schulhof der Musterschule aufführen.

Im Zentrum stand ein Auszug aus dem 2. Akt des Werks, welcher insgesamt fünfmal mit unterschiedlichen Inszenierungsideen und in wechselnder Hauptfigurenbesetzung vorgeführt wurde. Über das ganze Schuljahr hinweg und im Winter sogar bei Minusgraden im Freien hatte der Kurs unter der fachkundigen Leitung von Frau Steckenmesser die Umsetzung der Dramenszenen entwickelt und einstudiert, wobei klassische Elemente genauso wie moderne Aspekte in die Gestaltung einflossen.

Anklänge an die klassische Tradition lassen sich beispielsweise in den quasi zu griechischen Statuen erstarrten Posen von Ismene und Antigone finden – schon die kleinste Regung in Mimik oder Gestik erzielt hier besondere Aufmerksamkeit. Auch die Verwendung von Masken, der typisch griechische „Ioh“-Schrei und der Einsatz von chorischem Sprechen verweisen auf die Nähe zu den Ursprüngen des griechischen Theaters.

Auf die Steinstufen des Schulhofs verteilt, kommentiert der Chor die Fatalität und Endgültigkeit von Kreons Urteil. Aus seinem metrisch bis ins Detail strukturierten Gleichklang brechen nur selten einzeln gesprochene Wörter hervor, welche das Augenmerk des Zuschauers von der Menge wieder auf das Individuum lenken.

Umso kontrastreicher wirkt nach all diesen klassischen Reminiszenzen die Modernisierung von Handlung und Figuren: Da erscheint Kreon, der unnachgiebige König von Theben, einmal als gewaltbereiter Boxer aus dem Clan-Milieu, ein anderes Mal als autokratischer Herrscher auf Droge. Da scheitert das Lebenskonzept der naiv-verspielten Ismene an der Realität, wie die zerplatzenden Seifenblasen unmissverständlich vermitteln. Und wir erleben, wie die unfehlbare Antigone, die sich in einer Szene erhaben auf Stelzen bewegt, ihr moralisches Credo „Nicht mithassen, mitlieben muss ich“ spricht.

Antigone 25 – dieser ungewöhnliche Titel verweist zum einen auf die fünfmalige Wiederholung der Szene und verdeutlicht damit die Unaufhaltsamkeit des sich erfüllenden Schicksals. Zum anderen spiegelt sich darin ein großer Reichtum an Variation wider, denn jede Szene offenbart verschiedene Nuancen und damit Möglichkeiten zur Deutung ihrer Botschaft.

Wiederholung und Variation bildeten auch für die musikalische Untermalung der Inszenierung die Grundlage. Elias Neuwirth (Fagott) und Helena Polić/Esther Baumann (Klavier) hatten musikalische Motive komponiert, welche das Streitgespräch von Kreon und Antigone musikalisch umsetzen und in ihrer Wiederkehr die einzelnen Szenen der Aufführung miteinander verbinden. Unter der Leitung von Herrn Strömmer meisterten die Vertreter der Technik-AG kompetent die vielfältigen Anforderungen an die technische Umsetzung der Szenen.

Mit großem Beifall wurden alle an der Aufführung Beteiligten belohnt, insbesondere aber die Darstellerinnen und Darsteller für ihre schauspielerische Leistung sowie Frau Steckenmesser für ihre ausgezeichnete Anleitung und Vorbereitung der Schauspielgruppe.

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