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Wer war dieser Jesus?

Religionskurs der Q1 auf der Suche nach dem historischen Jesus von Nazareth

Gab es Jesus überhaupt? Und wenn ja, wie ist er aufgewachsen? Wie hat er gelebt? Mit wem hatte er es zu tun? Was hat ihn wohl bewegt? Im Unterricht haben wir uns mit diesen und anderen Fragen beschäftigt, aber wir wollen es noch genauer wissen. Also los.

Freitagmittag: Statt in der Schule finden wir uns südlich des Mainufers in einem Nomadenzelt wieder, aufgebaut im Bibelhaus Erlebnismuseum. Wir sitzen quasi im Wohnzimmer von Abraham und Sara. In diesem Zelt wird die Vergangenheit spürbar. Wo Frauen früher beim stundenlangen Getreidemahlen die Geschichten der Urväter und Urmütter weitergaben, liegt wohl der Beginn der mündlichen Überlieferung biblischer Erzählungen. Erzählungen, mit denen Jesus aufgewachsen ist und die ihn ein Leben lang begleitet haben. Am antiken Mahlstein dürfen auch wir uns ausprobieren, die Männer eingeschlossen. ;O)

Von hier ziehen wir weiter nach Galiläa und Judäa in die Zeit vor 2000 Jahren. Wir begegnen Menschen aus der Zeit Jesu, darunter seinen Freunden und Gegnern, Frauen und Männern verschiedenster religiöser und sozialer Gruppierungen, die an Hörstationen von ihrem Leben und ihren Hoffnungen erzählen, sowie Kindern und Jugendlichen, deren Leben schon früh vorgezeichnet ist. Ein Jude in römischer Zeit gilt mit etwa 13 Jahren als erwachsen. Jungen müssen ab diesem Alter alle 613 Gebote der Tora einhalten. Mädchen werden mit 12, 13 oder 14 Jahren verheiratet. Versprochen werden sie mitunter schon mit 2 Jahren. Nur wenige können sich der Erwartung entziehen, früh Ehefrau und Mutter zu werden. Von Männern wird erwartet, im Alter von 18 Jahren eine Ehefrau gefunden zu haben. Die Kinder arbeiten von klein auf im Haushalt, auf dem Hof oder in der Werkstatt mit. Nur wohlhabende Eltern können ihren Kindern Schulbildung ermöglichen. Der Nachbau eines Hauses, eines Brunnens und eines am See Gennesaret gefundenen (Fischer-) Bootes aus der Zeit Jesu verdeutlichen uns die beschwerliche Lebenswelt der einfachen Leute auf dem Land, der Fischer und ihrer Familien und die Rolle der Religion in ihrem Leben.

Wir kehren nun dem Land den Rücken zu und brechen nach Jerusalem auf, dem Ziel vieler Pilgerreisender. Für die Menschen der damaligen Zeit liegt die Stadt mehrere Tagesreisen entfernt. Ein dreidimensionales Modell der Tempelanlage vor seiner Zerstörung im Jahr 70 n.Chr. und ein Simulationsfilm geben Einblick in Opferkult und Opferriten und zeigen die gewaltigen Ausmaße des von König Herodes errichteten Bauwerkes, das die Größe von 20 Fußballfeldern erreichte. Unter König Herodes leistet sich die Oberschicht von Jerusalem prachtvolle Häuser und Paläste. Händler importieren Luxusgüter aus aller Welt. Alle Währungen der Antike sind in Judäa im Umlauf, Geldwechsel und Handel im Tempel an der Tagesordnung – für Jesus ein Stein des Anstoßes und Widerspruchs. Widerstand zeigt sich auch in anderer Hinsicht. Die jüdische Gruppe der Zeloten widersetzt sich auf radikale Weise der römischen Besatzungsmacht. Verurteilte werden in der Regel am Kreuz hingerichtet. Obwohl kein Anhänger der Zeloten, ereilt schließlich auch Jesus der Tod am Kreuz. „INRI“: Die Initialen über dem Kreuz verweisen auf den Rechtsgrund seiner Verurteilung durch die Römer: Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, Jesus von Nazareth, König der Juden. Anspruch und Titel der Königswürde, ob religiös oder politisch, sind untersagt. Jesus ist nach antiken Quellen „nur“ ein Gekreuzigter unter vielen. Und was kommt nach dem Tod? Zu allen Zeiten beschäftigen sich Menschen mit dem Tod; er macht vielen Angst und wirft Fragen auf. Der Glaube an die Auferstehung war jedoch nicht neu und wird auch von Jesus Zeit seines Lebens verbreitet. An vielen weiteren Stationen im Museum könnten wir noch Halt machen, werden aber die zahlreichen Eindrücke erstmal auf uns wirken lassen.

Ein besonderer Dank gilt Frau Hoffmann-Merz, die uns durch das Bibelhaus begleitet und den historischen Jesus noch ein Stück nähergebracht hat. Alltag, Religion, Wirtschaft, Politik und Kultur sind hier in mehreren Erlebnisräumen auf sehr anschauliche und eindrückliche Art und Weise in Szene gesetzt und machen Geschichte und Geschichten lebendig. Der dialogisch-kommunikative Austausch ließ dabei unseren Fragen Raum und ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern gleichzeitig, an den verschiedenen Themenstationen ihr angeeignetes Wissen über die biblische Lebenswelt einzubringen.

Susanne Rothweil

Informationen: https://www.bibelhaus-frankfurt.de/bibelhaus-allgemein/startseite.html