Studienfahrt nach Auschwitz (Q3) 06.-10.08.2018

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Bereits am Abend des ersten Schultages nach den Sommerferien begann die dreitägige Studienfahrt der Q3 nach Auschwitz. Begleitet wurde unsere Gruppe von Frau Hummel und Herrn Kaiser. Direkt nach der 12-stündigen Busfahrt und einem kurzen Frühstück in der Begegnungsstätte begaben wir uns zum Stammlager 1.

 

Dort hatten wir eine vierstündige Führung vor uns, welche sich mit den schlimmen Ereignissen und persönlichen Schicksalen der Menschen beschäftigte, die während des Holocausts dort systematisch ermordet wurden. Besonders bedrückend waren Ausstellungsräume, in denen persönliche Gegenstände, wie Porzellan und Kleidung, aber auch die gesammelten, abrasierten Haare der Inhaftierten gezeigt wurden.  Es folgte eine Mittagspause mit etwas Zeit, in der die vielen Eindrücke aber nur ansatzweise verarbeitet werden konnten. Anschließend besichtigten wir die kleine, oft nicht wahrgenommene Stadt Oświęcim, deren deutscher Name Auschwitz als Synonym für das Vernichtungslager steht. Wir besichtigten eine Synagoge und wurden durch ein Museum geführt, welches sich hauptsächlich mit dem jüdischen Leben, das vor dem Krieg in Oświęcim stattfand, beschäftigt.

Die am Abend folgende Reflexion gab uns die Möglichkeit, uns mit der Gruppe über die gesammelten Erfahrungen und unterschiedlichen Wahrnehmungen auszutauschen.

Der zweite Tag begann mit einer Führung im Keller eines christlichen Klosters, in dem die Kunstwerke eines Holocaust-Überlebenden ausgestellt wurden, die er erst viele Jahre später nach einem Schlaganfall anfertigte, um die für ihn immer noch präsenten Erlebnisse zu verarbeiten. Diese waren ziemlich düster und gaben die Atmosphäre des Lagers in Birkenau erschreckend realistisch wieder, was uns einige Stunden später im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau bewusst wurde.

Die neu gewonnenen Eindrücke in Kombination mit dem Regen, der uns an diesem Nachmittag zunächst begleitete, sorgten zu Beginn der Führung in Auschwitz-Birkenau für eine bedrückte Stimmung. Der graue Himmel und der Nieselregen ließ uns mit Schrecken daran denken, wie die Bedingungen für die Inhaftierten gewesen sein müssen, wenn die zahlreichen umfunktionierten Pferdeställe, in denen die Gefangenen untergebracht waren, im Winter Temperaturen von bis zu -15 Grad erreicht haben.
Durch die vierstündige Führung wurde uns nicht nur die Größe des Vernichtungslagers deutlich vor Augen geführt, sondern mithilfe der zahlreichen Fotos, Berichte und Habseligkeiten auch das unvorstellbare persönliche Leid, das ursprünglich glücklichen Familien durch das grausame taktische Vorgehen der Nationalsozialisten zugefügt wurde.

Auch an diesem Abend gab es wieder eine knapp einstündige Reflexionsrunde, bei der sich angeregt über das Erlebte ausgetauscht wurde und die somit half, die Menge an neuen Informationen und Eindrücken zu verarbeiten.

Der nächste Vormittag bot uns die Gelegenheit, noch einmal auf eigene Faust das Stammlager 1 zu besichtigen und das dort Ausgestellte im eigenen Tempo auf uns wirken zu lassen. Dabei stellten wir alle fest, dass es selbst in den acht Stunden, die wir dort verbracht haben, vollkommen unmöglich ist, alles zu sehen und wahrzunehmen. Dies führte uns die grausame Dimension des Holocausts erneut sehr deutlich vor Augen.

Nach einem letzten Mittagessen in der Begegnungsstätte begann für uns ein Workshop und somit der letzte Programmpunkt der Auschwitzfahrt.
In diesen drei Stunden Workshop schauten wir ein vor Ort aufgenommenes Video an, von dem mittlerweile verstorbenen, ehemaligen Auschwitzinsassen Henryk Mandelbaum. In circa 60 Minuten erzählte er seine Geschichte und übermittelte einigen von uns auf diesem Wege nicht nur Gefühle der Trauer, sondern auch Mut und den Willen, mit dem neugewonnenen Wissen möglicherweise etwas zu verändern.
Gegen 19:30 waren dann Workshop und Reflexionsrunde und somit das Programm unserer Fahrt beendet, und wir traten nach einem Abendessen voller angeregter Gespräche über Henryk Mandelbaum unsere Heimreise an.

Kurz gefasst war die Auschwitzfahrt zwar, wie erwartet, anstrengend und emotional, dennoch war jeder einzelne von uns mehr als dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, an dieser Fahrt teilzunehmen und unsere Gedanken und Impressionen an unsere Mitmenschen weiterzugeben.

 

Luis Sommerhoff und Lola Cordemann, Q3