Was ist Frieden ?

Text verfasst von Pauline Gihr, Q3

Dr. Dirk Peters, Mitarbeiter der HSFK, zu Besuch an der Musterschule

Was ist Frieden?
Dirk Peters.IMG_4155Was ist Frieden eigentlich, wie wird er definiert, was kann man tun, um die Welt möglichst friedvoll zu gestalten und darf Frieden nur friedlich durchgesetzt werden?
Einige dieser Fragen beschäftigen zurzeit nicht nur die Politik und das aktuelle Tagesgeschehen, sondern auch zwei PoWi-Kurse aus der Oberstufe der Frankfurter Musterschule, speziell während eines Vortrags von Herrn Dr. Dirk Peters, Mitarbeiter Hessischen Stiftung für Friedens – und Konfliktforschung.
Nachdem Dr. Peters zunächst einen kleinen Einblick in seinen persönlichen Lebenslauf und seine Beziehung zur Friedensforschung gegeben hatte, stellte er die Arbeit der Stiftung vor. Als ältestes diesbezüglich ausgerichtetes Institut Deutschlands habe es sich mit seinen rund 50 Mitarbeitern zur Aufgabe gemacht, „Friedensgedanken“ zu verbreiten, Aufklärung über das Zusammenspiel zwischen Gerechtigkeit und Frieden, sowie allgemeine Politikberatung zu leisten. Dr. Peters selbst, der schon in der deutschen Außenpolitik und im Ausland tätig war, arbeitet nun im Rahmen der HSFK an Forschungsprojekten zu Sicherheitspolitik und verschiedenen Demokratien.
Einleitend fragte Dr. Dirk Peters die Schüler nach ihrer persönlichen Definition von Frieden. Nach Auffassung der Schüler soll im Frieden längerfristig keine Gewalt herrschen oder Konflikte sollen vermieden werden. Gleichheit und Gerechtigkeit sollen oberste Priorität haben und die Staatsform sollte möglichst demokratisch sein. Man wurde sich nach gezieltem Nachfragen Peters’ darüber einig, dass es auch bei einer scheinbar so einfachen Frage, nämlich der Definition von Frieden, Streitpunkte gibt, die wiederum Fragen aufwerfen. Denn allein Gleichheit und Gerechtigkeit sind Begriffe, die nicht leicht zu definieren sind. So herrscht aus europäischer Sicht in einigen friedlichen Ländern keine Gleichberechtigung von Frauen, Behinderten oder sozialen Minderheiten. Zwecks Vermeidung dieser Schwierigkeiten, so erklärte Peters, würde in der Friedensforschung der Begriff Frieden als Abwesenheit von Gewalt verstanden werden.
Um Ursachen für Konflikte zu finden, gibt es verschiedene Friedens-Theorien. Die bekannteste wurde von Wals 1950 entwickelt und klärt vor allem die unterschiedlichen Abhängigkeiten zwischen internationalem System, zum Beispiel dem Völkerrecht, einer Gesellschaft, oder einem Staat und dem Individuum. Diese drei Instanzen beeinflussen sich gegenseitig, machen es jedoch den Friedensforschern möglich, Frieden besser zu erklären.
Es gibt jedoch bereits deutlich ältere Theorien darüber, in welchen Staatsformen Frieden am wahrscheinlichsten ist und warum Frieden vor allem vom Individuum ausgeht. Kant äußert sich in seinem Werk „zum ewigen Frieden“ darüber, dass die Demokratien besonders friedlich seien, weil sich, wenn das Individuum befragt würde, niemand gegen den Frieden entscheiden würde. Diese „Schwarmintelligenz“ sorge also dafür, dass weniger Entscheidungen zugunsten gewalttätiger Handlungen getroffen würden.
Nun ist es aber so, dass wir gerade in einer Welt mit Kriegen und gewaltsamen Auseinandersetzungen leben, die meistens auf ethnische, politische oder religiöse Konflikte zurückzuführen sind. Daraus leitet sich die Frage ab, ob wir auch in einer friedlichen Welt trotz bestehender Konflikte leben können, also genauer gesagt, ob Frieden trotz Konflikte möglich ist. Dr. Peters erklärte, dass es allgemein immer Konflikte geben werde und dass die Voraussetzung für Frieden die Klärung aller dieser Konflikte nicht direkt voraussetze. Bestünde ein solcher Zustand, spräche man nicht mehr von Frieden, sondern von Harmonie.
Am Ende des Vortrags diskutierten die beiden Kurse die Ursachen für Konflikte und Ansätze für die Friedensforschung anhand der vorher erläuterten Friedens- Theorien am Beispiel des Vormarsches der Krieger des sog. Islamischen Staates. Die Schüler bekamen auf diese Weise nicht nur einen Einblick in diesen Forschungsbereich, sondern stießen auch bei ihren Argumentationen an die natürlichen Grenzen der Friedensforschung. Dr. Dirk Peters schloss die Diskussionsrunde mit der vielleicht unbefriedigenden Aussage, dass es auf die meisten einfachen Fragen in seinem Arbeitsgebiet keine leichten Antworten gebe.

Medien als 4. Gewalt ?

Text verfasst von Brenda Fietz und Anna Schleicher

Besuch des FAZ-Journalisten Reinhard Müller in der Q1

Reinhard Müller.IMG_4159Am 20.11.14 war der Journalist Reinhard Müller zu Besuch bei uns, dem Q1-PoWi-Kurs der Musterschule. Herr Müller ist gelernter Jurist und als solcher schreibt er bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor allem über Rechtsfragen. Direkt im Anschluss an die Schulveranstaltung stand ein Hintergrundgespräch mit dem deutschen Innenminister auf dem Plan, und so fragte uns Herr Müller, ob wir irgendwelche Fragen an diesen hätten – eine Möglichkeit, von der wir gerne Gebrauch machten.
Anschließend stellte Herr Müller uns den Redaktionsalltag in der FAZ vor. Im Gegensatz zur Schule fängt dieser nämlich erst etwa um halb zehn an. Dann arbeiten alle Leute fieberhaft an ihren Artikeln, recherchieren Fakten und Zusammenhänge, feilen an Formulierungen, lesen Korrektur – bevor die erste Auflage der Zeitung bereits um 17:30 Uhr angedruckt wird. Diese Ausgabe wird mit der Bahn überall nach Deutschland und auch ins angrenzende Ausland gebracht, damit alle Abonnenten am nächsten Morgen die FAZ pünktlich im Kasten haben. Die Rhein-Main Redaktion ist aber sogar noch bis 23:00 Uhr da und erst dann geht die Zeitung, die wir morgens bekommen, in den Druck.
Nach dieser Einführung war Herr Müller schonungslos unseren Fragen ausgesetzt. Es ging um TTIP, die IS, Fracking, Lobbyismus, die Rot-Rot-Grüne Koalition in Thüringen, welche politische Linie die FAZ verfolge und er hatte wirklich auf alles eine Antwort!
Eine der ersten Fragen betraf die Rot-Rot-Grüne Koalition, also eine Koalition aus SPD, Linken und Grünen. Herr Müller, der selbst als Kind noch mit der Schule Ausflüge in die DDR machte, sieht einen linken Ministerpräsidenten nicht als Gefahr für die Demokratie an, glaubt aber, dass man Bodo Ramelows Vergangenheit berücksichtigen muss.
Ein Thema, das uns alle sehr interessierte, zumal aktuell im Lehrplan vorgesehen, war Lobbyismus. Hier bildete Herr Müller einen interessanten Kontrastpunkt zu dem, was wir im Unterricht in einem Film gesehen hatten. Entgegen der öffentlichen Meinung hält er Lobbyismus nicht per se für problematisch, vor allem, da inzwischen eine Karenzzeit eingeführt worden sei, Politiker also nicht gleich von der Politik in die Wirtschaft wechseln dürfen. So soll verhindert werden, dass sie noch in ihrem politischen Amt Entscheidungen treffen, die von Vorteil für ihren zukünftigen Arbeitgeber und nicht unbedingt vorteilhaft für die Bürger sind.
Ein weiteres Thema, von dem wir alle gehört und über das wir viele widersprüchliche Informationen erhalten hatten, war der Konflikt zwischen Israel und Palästina. Wer war eigentlich schuld an was und was kann man dagegen tun? Herr Müller erklärte uns verständlich und schlüssig, dass die Schuldfrage inzwischen fast unmöglich zu klären sei, weil es so viel Ungerechtigkeit auf beiden Seiten gegeben habe und dass es wohl unmöglich sein dürfte den Konflikt zu beenden, solange es auf beiden Seiten extremistische Randgruppen gebe, die ein Interesse daran hätten, dass er weitergeht. Dennoch sei es wichtig, darüber zu berichten, damit er nicht in Vergessenheit gerät.
Zu einem der anderen Konflikte, über die wir fast täglich in den Nachrichten hören, der Ukraine-Krise, hatte Herr Müller eine sehr viel deutlichere Meinung. Putin müsse ganz klar gesagt werden, dass es so nicht weitergehen könne. Dies werde nach Ansicht von Herrn Müller auch geschehen. Die Weigerung einiger Politiker, Putin die Hand zu schütteln, sei ein Indiz dafür.
Natürlich war auch der Vormarsch der IS in Syrien und im Irak Thema. Herr Müller war, wie die breite Öffentlichkeit, geschockt über die offen und provokant zur Schau gestellte Gewalt und über den Zulauf, den die IS auch aus Deutschland bekommt. Auf unsere Fragen hin erklärte er aber auch, dass er nicht glaube, dass es im Irak oder in Syrien eine Wiederholung des Afghanistankrieges geben werde. Sogar die USA hätten aus den Erfahrungen dort gelernt, dass solch aktives Eingreifen nicht zum Ziel führe.
Auch zu einem weiteren kontrovers diskutierten Thema, nämlich dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen EU und den USA, auch als TTIP bekannt, hatte er eine klare Meinung. Im Gegensatz zu vielen Bürgern glaubt er nicht, dass TTIP was Schlechtes sei, da jeder vom freien Handel profitiere und er sich deshalb nicht ohne guten Grund einschränken ließe. Außerdem führe die offene Debatte, die zurzeit geführt wird, sicherlich zu der besten Lösung. Wir fragten, ob es ihm nicht Sorge bereite, dass amerikanische Konzerne so lange klagen könnten, bis Fracking erlaubt werden würde, aber er war der Meinung, dass dies sehr unwahrscheinlich sei.
Außerdem wollten wir wissen, was er davon hält, dass es kaum eine Opposition im Bundestag gibt. Er hält dies für heikel, allerdings sei natürlich auch nur der Wählerwille durchgesetzt worden. Er ist aber sicher, dass die große Opposition ihre Macht nicht ausspielen werde und die Opposition durch viel Medienpräsenz, wie zum Beispiel Auftritte in Talkshows, auf sich aufmerksam machen könne.
Alles in allem waren es zwei sehr interessante und lehrreiche Schulstunden. Ein Journalist kann einem noch einmal ganz andere Einblicke geben als ein Lehrer – und Herr Müller schaffte es, uns alle interessiert und trotz der frühen Stunde wach zu halten.

Ein Treffen mit der Bundestagsabgeordneten Sabine Leidig

Sabine Leidig, dieser Name ist mittlerweile vielen Personen in der Politik ein Begriff. Am 25 Juni 2014 haben wir sie im Rahmen der Studienfahrt des kompletten Jahrgangs mit unserem PoWi-Kurs im Bundestag besucht und viel von Ihr erfahren.

Sabine LeidigEingangs stellte sich Frau Leidig selber vor und nannte wichtige Stationen ihres politischen Werdegangs. Geboren wurde sie 1961 in einem kleinen Dorf nahe Heidelberg, wo sie auch aufwuchs. Nach der Mittleren Reife absolvierte sie eine Ausbildung zur Biologielaborantin und arbeitete anschließend am Deutschen Krebsforschungszentrum. Ihre Politisierung begann 1975 in der Kulturgruppe ‚Grüne Welle’.

Sie engagierte sich in gewerkschaftlicher Jugend- und Bildungsarbeit, war hauptamtlich beim DGB Baden-Württemberg beschäftigt, ab 1996 als gewählte DGB-Vorsitzende für die Region Mittelbaden zuständig und seit 2002 Bundesgeschäftsführerin von Attac Deutschland.

Von 1982 bis 1991 war sie Mitglied der DKP, danach parteilos. In den Bundestag wurde sie 2009 gewählt, nachdem ‚Die Linke’ sie auf Platz 1 der hessischen Landesliste gesetzt hatte.

Frau Leidig beschäftigt sich viel mit der Frage „Warum landen Kinder aus armen Familien seltener auf Gymnasien als Kinder aus wohlhabenderen Familien ?“ Ebenso sucht sie nach Ursachen, warum 1,4 Milliarden Menschen übergewichtig sind, während gleichzeitig 900 Millionen Menschen in Entwicklungsländern an Hunger leiden. Ein großes Thema ist zudem das NPD-Verbot, welches sie deutlich befürwortet.

Frau Leidig, innerhalb ihrer Fraktion auf die Themen Verkehr und Ökologischer Umbau spezialisiert, stellte sich anschließend den Fragen des Kurses. Diese Gelegenheit nutzten wir gerne. Dabei sprach sie sich gegen die Privatisierung der ‚Bahn AG’ aus, erläuterte aber auch ihre Vorstellungen von Pluralismus, bezog Position für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer und argumentierte für ein faires Wirtschaften in globalen Zusammenhängen.

Als nach 90 Minuten Frau Leidig zu einer namentlichen Abstimmung in den Plenarsaal des Bundestages musste, blieb bei unserer Gruppe der Eindruck einer wirklich anregenden politischen Veranstaltung.

Text verfasst von Mohamed Athanouti und Bilal Benakka, E2

Globalisierungskritischer Stadtrundgang

Globalisierungskritischer StadtrundgangAm 9.Juli 2014 hat sich der PoWi LOK der E-Phase von Herrn Edelbluth mit zwei Referentinnen der Meenzglobal-Organisation getroffen. Diese haben einen Stadtrundgang zum Thema Globalisierung organisiert, welcher uns Hintergründe zu Orten unseres täglichen Konsums liefern sollte, wie zum Beispiel Fastfood-Ketten oder Klamottenläden.

Station 1: Die Ladenkette Primark war unsere erste Station. Die Herstellung der Kleidung spielt hier eine wichtige Rolle, da jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr 40 Klamotten kauft, ohne eigentlich zu wissen, wo diese hergestellt werden. Die Produktion für ein Kleidungsstück erfolgt arbeitsteilig in der halben Welt.
Der erste Schritt ist die Baumwolle, welche größtenteils in Afrika, Indien und den USA produziert wird.
Stoffherstellung und Färbung geschehen meistens in Ländern wie China, Bangladesch, Rumänien und Polen.
Die meisten Konsumenten denken, dass auf den Etiketten der Kleidung das Produktionsland steht. Dies trifft leider jedoch nicht zwangsläufig zu. Die Arbeitsbedingungen in diesen Betrieben sind oft katastrophal, soziale Absicherung kaum vorhanden. Viele dieser Arbeiter leiden unter starken Kopfschmerzen bis hin zu tödlichen Krankheiten, da die Stoffe, die durch die Luft wirbeln, sehr gesundheitsschädlich sind.

Station 2: An dieser Station haben wir uns vor dem o2-Handyladen platziert.
Handys sind inzwischen sehr beliebt und die meisten Menschen besitzen eins. Durch Innovationsmodelle, die in schnellen Abständen neu auf den Markt kommen, kaufen sich die meisten oft neue Handys. Doch kaum jemand macht sich darüber Gedanken wie und wo so ein Handy hergestellt wird. Für die Handys müssen die Arbeiter in Goldminen das Material abbauen, doch diese Goldminen sind lebensgefährlich. Ein großer Teil der Handy Herstellung wird von Kindern gemacht. Die Kinder, die diese Arbeit vollbringen, haben danach sehr schlimme Krankheiten und können das Leben nicht mehr genießen und sterben früh. Nicht nur die Kinder dort müssen leiden, nein, auch die Erwachsenen arbeiten unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen.
Handyanbieter machen viel Propaganda, um die Kunden für sich zu gewinnen.
Ihr wollt unbedingt ein Handy und dabei solche Arbeitsbedingungen nicht unterstützen? – das ist kein Problem! Inzwischen gibt es Fairtrade- Handys, die nicht einmal teuerer sind. Oder ihr kauft euch einfach nicht immer gleich die neuesten Modelle.

Station 3: Bei der dritten und letzen Station ging es um Fastfood-Ketten und Fleischproduktion. Bei Fastfood-Ketten wie Burger King und McDonalds stellt sich die Frage, wo und unter welchen Bedingungen derartige Massen produziert werden. Schlachtvieh muss auf engem Raum vegetieren, Hühnern werden die Schnäbel abgeschnitten, damit sie sich nicht gegenseitig die Federn rausziehen.
Ein Deutscher isst pro Jahr durchschnittlich 88kg Fleisch, also überlegt euch mal, wie viele Tiere allein wegen einem Menschen sterben müssen. Man muss nicht Vegetarier werden, aber man sollte vielleicht doch darauf achten, nicht täglich Fleisch zu essen, zumal die Viehzucht auch ökologisch problematisch ist. Für 1 Kilo Rindfleisch benötigt man 16.000 Liter virtuelles Wasser. Die Nitratbelastung des Bodens durch Gülle stellt ein weiteres Problem dar. Grundsätzlich gilt beim Kauf: eher regional und saisonal.

Text verfasst von Anastasija Vukmirovic und Greta Stang

Indien: Schutz für Frauen

Am 14.07.2014 besuchte uns Lucia Rost, die mit weiteren Studenten DHIRA, eine Initiative für Frauenrechte in Indien, gegründet hat.

Lucia RostGrundlegend dafür waren die Erfahrungen im Rahmen eines siebenmonatigen Freiwilligen Sozialen Jahres, das Lucia im Rahmen des Weltwärts-Programms mit der Karl-Kübel-Stiftung im Süden Indiens absolvierte. Dazu gehörte es, Frauen zum Schutz vor häuslicher Gewalt zu ermutigen und sich sexueller Übergriffe zu erwehren. Gerade während der letzten beiden Jahre haben Vergewaltigungen von jungen Frauen in Indien und eine unzureichende Strafverfolgung Schlagzeilen gemacht. Oftmals fehle den Frauen Mut und Selbstvertrauen, so Lucia. Besonders bedrückend sei, dass Hochzeiten in Indien traditionell sehr groß gefeiert werden, sich die Familien in Folge dessen hoch verschulden und diese Schulden oftmals bis an ihr Lebensende nicht abbezahlen können.

Die Initiative DHIRA möchte hier Abhilfe schaffen. Sie unterstützt Partnerorganisationen mit ähnlicher Zielsetzung, die sich vor Ort um Projekte kümmern.

Für Frauen in Not gibt es zum einen das Frauenhaus, in dem Frauen und deren Kinder, die ihr Zuhause verlassen haben oder verstoßen wurden, Zuflucht finden, medizinisch und psychologisch versorgt werden, Rechtsbeistand, Unterbringung und Verpflegung erhalten. Ebenso bekommen sie Hilfe zur freiwilligen Reintegration in die Herkunftsfamilie und Gesellschaft. Die Organisation Prajna Counselling Centre in Mangalore ist Partner der Karl-Kübel-Stiftung und gründete das Frauenhaus.

Zum Zweiten wird ein Radioprojekt unterstützt, das Aufklärungsarbeit leistet. Im regionalen Radiosender „All Air India Mangalore“ wird seit Januar 2014 alle zwei Wochen eine Radiosendung über Frauenrechte ausgestrahlt. In der Radiosendung „Shubamangala“ (Licht der Hoffnung) werden Frauenrechte diskutiert, Informationen über Hilfeorganisationen vermittelt und Erfolgsgeschichten erzählt, woraufhin schon etliche Hilferufe eingingen und den Frauen geholfen werden konnte.

Auf der Internetseite www.dhira.org findet man weitere nützliche Informationen.

Text verfasst von Antonia Hasel und Sabrina Menzler, Klasse 9a

Ramsch-Medien und digitale Überwachung

Text verfasst von Pauline Gier, Q1

Besuch Jutta Roitsch im Powi-Grundkurs

Verflüchtigen sich unsere Grundrechte auf Grund von wirtschaftlichen Interessen? Apple -Ausstattungen in Schulen, kostenlos. Lobbyismus, Marketing, und trotzdem von der  Elternschaft gefordert.  Kann Qualitätsjournalismus in Deutschland überhaupt noch überleben, wenn die Printmedien langsam sterben?

Bei ihrem Unterrichtsbesuch in unserem PoWi-Kurs  Q1 an der Musterschule ging die ehemalige  Journalistin Jutta Roitsch auf diese Fragestellungen ein. Sie gab einen detaillierten und aufschlussreichen Einblick in die Entwicklung der verschiedenen Medien in Deutschland, deren eigentliche Funktion,  Macht und  Beziehung zum Grundgesetz. Roitsch erläuterte, wie die Medien als „Vierte“ (aber nicht gewählte) Gewalt in unserem Rechtsstaat aufgestellt sind und wie sie ihre Gewalt ausüben. Dabei nahm sie auf Artikel 5 des Grundgesetzes und einen Beitrag der ehemaligen Verfassungsrichterin Jutta Limbach zur Presse- und Meinungsfreiheit Bezug.

Die Presse war und ist zur öffentlichen Bildung und Meinungsbildung gedacht; Printmedien sollen neben digitalen Medien unbedingt erhalten bleiben. Rundfunk und Fernsehen sind in Deutschland anders verfasst als die Presse, so Roitsch, zumindest unterliegen die öffentlich- rechtlichen Sender bestimmten Vorgaben, da sie über gesonderte Gebühren vom Staat mitfinanziert werden.  Ursprünglich sollten sich in Deutschland die öffentlich-rechtlichen Sender nur über Rundfunkgebühren finanzieren, damit die Werbung  vornehmlich in den Zeitungen erhalten bleibt, über die sich jene hauptsächlich finanzieren. Heutzutage ist Werbung in allen Bereichen digitaler Medien vertreten, Printmedien können sich kaum noch halten. Roitsch führt Beispiele aus Frankreich an, wo sich private Unternehmer große Zeitungen halten, was zwar deren Unabhängigkeit gefährdet, aber ihr Überleben sichert. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie schwer die Printmedien seit der rasanten Entwicklung der digitalen Medien finanziell zu kämpfen haben.

Junge Menschen kaufen sich kaum noch Tageszeitungen, sondern informieren sich über die Nachrichten im Fernsehen oder im Internet. Diese Informationsquellen sind darüber hinaus so gut wie kostenlos und frei zugänglich. Somit müssen Redaktionen von Tageszeitungen günstiger werden. Dies hat laut Roitsch zur Folge, dass angehende Journalisten immer schlechter bezahlt werden, während sich ihr früheres Berufsbild nebenbei verändert hat. Der Journalist ist heute neben seiner Recherche- und Schreibarbeit auch noch für die Gestaltung seiner Artikel bis hin zur Bildbearbeitung verantwortlich.

Q1 jr

Diese Veränderung charakterisierte Roitsch als „Verramschung“ des Journalistenberufes. Um den beschriebenen Qualitätsjournalismus zu erhalten, sollen jetzt jüngere Lesergenerationen über email- Newsletter zum Lesen von Tageszeitungen und letztlich deren Abonnements angeregt werden. Ein von Roitsch vorbereiteter Fragebogen zeigte, dass keiner der anwesenden Schüler überhaupt Newsletter abonniert. Grundsätzlich gaben die Schüler an, selten ihre email- Adressen zu nutzen. Stattdessen würden sie sich eher auf online- Nachrichtenportalen oder übers Fernsehen zum aktuellen Geschehen informieren.

Um noch einmal einen genaueren Blick auf die Auswirkungen der Entwicklung digitaler Medien zu geben, kam Roitsch zum Ende ihres Vortrags auf die aktuelle Ausspähaffäre und den Missbrauch von digitalen Daten seitens der amerikanischen Regierung und deren Sicherheitssysteme (NSA) zu sprechen. Die Massendatenspeicherung durch Softwarefirmen wie Google, die in Zusammenarbeit mit Hardwarefirmen wie zum Beispiel Samsung stehen,  mache den Nutzer zum Werbe- und Ausspähobjekt auf Kosten seines Rechts auf Privatsphäre. Der Datenschutz bliebe völlig auf der Strecke, wichtig seien nur die wirtschaftlichen und technologischen Interessen weniger globaler wirtschaftlichen und politischen Machtzentren. Selbst bei  privat und geschützt erscheinenden „Social Media Netzwerken“ wie „whatsapp“ würden Daten gesammelt, Nachrichten auf Servern mit unbekanntem Standort gespeichert, und sogar Kontaktdaten von Nicht-Nutzern über digitale Adressbücher von Usern weitergegeben. Reaktionen seitens der deutschen Regierung auf diese durchaus bekannte Entwicklung erschüttern durch vermeintliches Unwissen und ehrliche Hilflosigkeit. Dies ließe sich, Roitsch zufolge, ganz deutlich an einigen Passagen des Koalitionsvertrages der neuen Regierung erkennen.

Zum Ende erfolgte  eine allgemeine Diskussion über Edward Snowden und die Bewertung dessen Handelns, bei der die Schüler mit Bezug auf  Roitschs‘ Vortrag reflektierend Stellung nahmen. Insgesamt war es eine informative und anregende Veranstaltung, eine willkommene Erweiterung üblichen Unterrichts.